klangcombi

Konzept



Idee

Hat die Schweizer Volksmusik - abseits von Kommerz, Kult und Kitsch - eine Zukunft? Gibt es etwas jenseits von sorgfältigster Bewahrung von Bewährtem und der heute allzu oft beliebig anmutenden Anreicherung mit Versatzstücken aus anderen Ethnien? Volksmusik - nicht als starres Gerüst empfunden, sondern als erfahrenes und erlebbares Grundmaterial, als Fundus für die eigene schöpferische Gestaltung.

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Projekt

Mit "Klangcombi" geht das Sextett von Noldi Alder (Violinen, Cello, Viola, Kontrabass, Schlagzeug, Hackbrett, Naturjodel) musikalisch-klanglich und optisch neue Wege. Die MusikerInnen tauchen ein in den reichen Schatz der Volksmusik und verbinden ihn mit dem Erfahrungswissen aus ihrer Ausbildung, mit ihrem eigenen musikalischen Repertoire und ihrer künstlerischen Persönlichkeit. Nicht zuletzt profitiert "Klangcombi" auch von der überregionalen Zusammensetzung des Sextetts. Vor dem Hintergrund dieser neuen Klangwelt tritt das Sextett in den Dialog mit dem Publikum - und geht in jedem Konzert neu auf Stimmungen, Erwartungen und Anstösse ein. Für die Dauer des Konzerts wird Volksmusik zu dem, was sie ursprünglich war: ein lebendiges, alle Sinne inspirierendes Kommunikationsmittel.

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Musik

Gebrauch, Interpretation und Weiterentwicklung traditioneller Elemente schaffen neue Klangwelten. Das Sextett musiziert - teilweise solistisch - virtuos und bewegt sich auf einem Spektrum zwischen Geräusch-Effekten bis zu ausgefeilten musikalischen Erzählungen. Aus ihrer Nische befreit soll die Schweizer Volksmusik in die musikalischen Auseinandersetzungen der Gegenwart einfliessen - und sich so weiterentwickeln.

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MusikerInnen

Das Sextett besteht aus Judith Müller, Luzern (Violine), Adrian Häusler, Unterägeri (Violine, Viola), Nicola Romano, Luzern (Cello), André Ott, Einsiedeln (Kontrabass), Markus Lauterburg, Luzern (Schlagzeug) und Noldi Alder, Urnäsch (Violine, Hackbrett, Naturjodel). Sämtliche Mitglieder des Sextetts sind BerufsmusikerInnen mit klassischem Hintergrund und verfügen über eine Ausbildung an einer Musikhochschule teilweise bis zur Konzertreife und über vielfältige, individuelle Weiterbildungen.

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Programm

Der grösste Teil von "Klangcombi" besteht aus Eigenkompositionen von Noldi Alder. Stücke wie "Viola", "Ländlerli-Kette", "Zweisiedler", "Wiehern" und andere basieren auf Traditionellem, zeigen jedoch ein breites Spektrum an Klangwelten, auf die Noldi Alder seit Jahren in seiner Arbeit zurückgreift. In der Auseinandersetzung mit traditionellen Stücken lässt er sich von Fragen inspirieren: Wie hat dieses Stück vor seiner Niederschrift geklungen? Wie spielen wir heute, was auf dem Blatt steht? Wie könnte es morgen klingen? "Klangcombi" ist kein festgelegtes Programm. "Klangcombi" versteht sich als Projekt, das sich auf die jeweiligen Begebenheiten einstellt: Ort, Zeitrahmen und Publikum sind Faktoren, die Einfluss haben auf das Programm.

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Rahmen

"Klangcombi" eignet sich für mittlere und kleine Bühnen, grundsätzlich aber für alle akkustisch geeigneten Räume wie Kirchen, Säle etc. und für eine Vorstellungsdauer zwischen 30 und 100 Minuten.

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Interview mit Noldi Alder

Aufgezeichnet von Katrin Piazza

Viele Leute haben ihre liebe Mühe mit der Volksmusik - warum, denkst du, ist das so?
Weil sie teilweise komplett vom Inhalt entleert wurde. Früher sagte man: "Spiel einen Schottisch - ich tanze dazu!" Das war der Grund, einen Schottisch zu spielen. In 9 von 10 Fällen weiss heute jemand, der einen Schottisch hört, gar nicht mehr, was er damit anfangen soll. Im Grunde kommen die Leute bald besser zurecht mit den Geräuschen, die ihre Autos machen. Sie wissen: wenn's so klingt, ist es der Motor - und so klingt es, wenn ich Gas gebe. Dazu haben die Menschen heute eine bessere Verbindung als zu einer Musik, die sie schon lange nicht mehr gehört haben.

Ist die Volksmusik deshalb am Sterben?
Unsinn! Volksmusik kann gar nicht sterben. Sie wird sich zwar verändern - und sie soll sich auch verändern, dringend sogar. Aber sterben? Volksmusik ist eine Grundschwingung des Menschen. Sie erreicht vor allem jene, die einen eigenen Weg gehen, und die, welche die Einfachheit suchen.

Ist es das, was du mit deinem neuen Projekt zeigen willst?
Ich möchte den Leuten eine Ahnung davon geben, wie es früher vielleicht einmal gewesen ist. Das ist gar nicht so schwer, wie viele meinen. Es haben mich schon viele Leute gefragt: "Wie entwickelt man die Appenzeller Musik?" oder "Wie entwickelt man Ländlermusik?" Dann sage ich jeweils: So, wie vor zweihundert Jahren: man lässt zuerst das Alte schwingen, spielt weiter und fügt mit der eigenen Erfahrung und Geschichte etwas Neues, Heutiges, Jetziges an. Volksmusik hat man früher so erklärt: "Sehr einfach und eingänglich, zum Mitsingen." Das stimmt so natürlich nicht. Volksmusik hat durchaus auch etwas Tiefes und Intellektuelles, das man ansprechen und fordern darf. Man soll ab und zu aber auch über die Barrieren hinausgehen, bis alle fragen: Ist das noch Volksmusik?

Für welches Publikum ist das Programm gedacht?
Die eingefleischten Volksmusikliebhaber, die nur traditionelle Musik hören, werden wir kaum ansprechen - die wollen wir getrost lassen, wo sie sind. Ich möchte Leute ansprechen, die Interesse haben an Echtem, was man nicht kaufen kann. Leute, die nicht ins Konzert kommen, um sich ablenken zu lassen, sondern die kommen, weil sie mit sich etwas passieren lassen wollen. Das Schönste wäre, wenn am Ende Leute sagten: Da würde ich gerne mitspielen! Und zwar selbst dann, wenn sie gar kein Instrument spielen. Dass sie aber Lust bekommen, mitzumachen.

Wo ordnest du dein Programm ein?
Wir alle sind ständig am Einordnen, Sortieren, Etikettieren - gerade das möchte ich für dieses Programm nicht. Wir werden nicht konsumierbar sein. Wir werden auch Sachen spielen, die nicht einfach ins Ohr kriechen. Wenn es ein Fussballmatch wäre, würde ich wollen, dass die Leute rausgehen und sagen: Es war toll - obwohl es keine Tore gegeben hat. Das Spiel an sich war toll!

Warum arbeitest du mit jungen, klassisch ausgebildeten Musikern?
Weil sie das Handwerk gelernt haben. Zudem haben sie eine Berufsausbildung absolviert, die einerseits sehr gut ist, andererseits aber riesige Mängel aufweist. Sie vermittelt keine Lebenserfahrung. Dafür ist während des Studiums keine Zeit - dort muss einer Technik lernen und systemkonform werden. Ich möchte aber gerade das andere fördern: dass Freude am Spiel an sich aufkommt und dass diese jungen Künstler lernen, an sich zu rütteln und all das, was in ihnen steckt, auszuleeren! Ich möchte, dass sie merken: Es kann gar nichts schief gehen, wenn man spielt. Es kann falsche Töne geben, zugegeben, doch ein falscher Ton hat ja auch eine Wirkung. Im Grunde ist es falsch, zu sagen: Dieser Ton ist richtig, dieser Ton ist falsch. Was ist damit gemeint? Ich gehe nicht auf die falschen Töne los, ich gehe aufs Resultat los: aufs Spiel. Ich möchte, dass sie in diesem Projekt lernen, ihren Weg zu gehen. Und dass sie den Mut bekommen, abseits all der ungeschriebenen und geschriebenen Gesetze, von denen wir so gerne denken, sie gehörten dazu, einfach Musik zu machen.

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